mardi 16 août 2011

Afrikanisches Kulturfest Solmspark 2011 Freitag 19 bis Sonntag 21 August

 „Keiner wird vergessen" - Gedenken an die Opfer rassistischer und staatlicher Gewalt.  Auftaktveranstaltung zum 6. Afrikanischen Kulturfest
Am Freitag, 19. August 2011 ab 18:00 – Cyriakusgemeinde Rödelheim, Alexanderstr. 37 HH

Das Gedenken an alle Opfer rechter, rassistischer und staatlicher Gewalt steht am Anfang des afrikanischen Kulturfestes in Frankfurt-Rödelheim. „Wir haben bewusst weiße und schwarze Opfer gewählt, um die rassistische und staatliche Gewalt zu thematisieren. Sie richtet sich nicht nur gegen Afrikaner. Nur mit Solidarität und Zusammenhalt können wir ihr begegnen. Deshalb wollen wir aufklären, informieren und Aufmerksamkeit schaffen" sagt Manga Diagne von der Senegalesischen Vereinigung im Lande Hessen, die als Veranstalterin des  6. Afrikanischen Kulturfestes fungiert.

An der Auftaktveranstaltung nehmen Dr. Nargess Eskandari Grünberg – Kulturdezernentin der Stadt Frankfurt – und Vertreter mehrerer Initiativen teil, die über die Opfer staatlicher und rassistischer Gewalt informieren. Mouctar Bah von der Initiative Oury Jalloh wird über den Prozess gegen die Polizeibeamten berichten, die Dienst hatten, als Oury Jalloh 2005, an Händen und Füßen auf einer feuerfesten Matratze gefesselt, verbrannte. Sein Engagement war Voraussetzung für die Nebenklage der Mutter Oury Jallohs und für das Zustandekommen eines Prozesses überhaupt. Weil er sich für die Aufklärung des Todes seines Freundes einsetzte, wurde er in Dessau unter Druck gesetzt, sah sich ständig falschen Beschuldigungen ausgesetzt, sein Geschäft wurde immer wieder durchsucht. Er musste die Stadt schließlich verlassen. Das verdeutlicht, wie schwer es ist, sich für Aufklärung und Gerechtigkeit einzusetzen. Erst nach fünf Prozessjahren und der Aufhebung des ersten Urteils durch den BGH kam das Gericht zu der Feststellung, es sei schwer vorstellbar, dass Oury Jalloh sich selbst angezündet habe. Der Prozess gegen die diensthabenden Polizeibeamten läuft noch heute.

 „Das hast Du gut gemacht, der musste weg, der war asozialer Dreck." Ein Lob unter zwei der vier Neonazis, die auf brutale Art und Weise Dieter Eich ermordeten. Die Täter standen in enger Verbindung mit organisierten Faschisten. Ihre menschenverachtende Ideologie richtet sich gegen alle Schwächeren. Sie wollten „einen Assi klatschen". Ein Vertreter der Initiative „Niemand wird vergessen" stellt deshalb die „Predigt der Leistungsgesellschaft" und ihre brutalen Auswirkungen in den Vordergrund: „Ein Großteil der Menschen würde zustimmen, dass so etwas wie die Ermordung Dieter Eichs nicht gebilligt werden kann. Jedoch setzen sich die Meisten nicht mit der Motivation der Täter auseinander, da das negative Bild vermeintlich „Asozialer" die gesamte Gesellschaft durchzieht." (http://niemandistvergessen.blogsport.eu/)

Die Ermordung Alberto Adrianos, ebenfalls in Dessau, erregte zwar international Aufmerksamkeit, in Dessau selbst ist der Fremdenhass aber noch nicht besiegt. Kurz vor dem 10. Jahrestag der Ermordung 2010 wurde die Gedenkstele im Stadtpark geschändet. Es ist eine schwere Aufgabe, die sich die Initiative Alberto Adriano gestellt hat: Die Aufklärung weiter betreiben, die Erinnerung wachhalten und standhalten gegen Rassismus, Ausgrenzung und Einschüchterung.

Des Weiteren werden Vertreter der Initiative Christy Schwundeck anwesend sein.  Vor wenigen Monaten wurde die 39-jährige Christy Schwundeck im Jobcenter Gallus  von der Polizei erschossen.

Die Senegalesische Vereinigung wählte bewusst ein ernstes Thema zum Auftakt des afrikanischen Kulturfestes. „Wir wollen an diesem Wochenende viel Spaß haben, Kultur genießen und feiern. Wir laden aber auch alle herzlich dazu ein, ein aktives Zeichen für das Gedenken zu setzen. Das mediale Interesse an rassistischer und staatlicher Gewalt ebbt schnell ab. Wir wollen es wach und lebendig halten", sagt Manga Diagne, der bereits zum sechsten Mal das Fest im Rödelheimer Solmspark organisiert. Mehr Infos: www.senegal-verein.de


Programm der Auftaktveranstaltung:
18:00 Eröffnung am Buffet
19:00 Film „Die Todeszelle" (30 Min. Deutsche Version)
19:30 Informationen/Diskussion zu Opfern rassistischer und staatlicher Gewalt

 

 

 

 

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